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Hilfe, ich hab Liebeskummer – Die 4 Phasen beim Liebeskummer

Was tun gegen Liebeskummer

Ein riesiges Monster stürzt sich auf dich. Sein Name? Liebeskummer. Seine großen Krallen graben sich in deine Brust. Es reißt eine klaffende Wunde in deine Haut, reißt immer weiter, gräbt sich tiefer und tiefer, bis es endlich dein Herz zu greifen bekommt. Mit seiner irrsinnigen Kraft zerquetscht es dir dein Herz, es zerrt und reißt daran. Dann läuft es weg. Und du liegst da und fühlst dich irgendwie leer. Fühlst nur noch Schmerz. Kannst kaum noch atmen. Siehst keine Chance, zu überleben – mit deinem gebrochenen Herzen.

Das ist das Bild, mit dem ich am besten meinen (Gott sei Dank hinter mir liegenden) Liebeskummer beschreiben kann. Den Schmerz, die Trauer, die Perspektivlosigkeit, die Hilflosigkeit.

Liebe ist das Wunderbarste und Wichtigste, was es gibt auf der Welt. Glücklich ist, wer liebt und geliebt wird. Und gleichzeitig ist es das Schlimmste und die größte Katastrophe, wenn jemand, den wir wirklich lieben, plötzlich nicht mehr da ist. Uns nicht mehr liebt. Und uns das Herz bricht.

Aber was passiert da eigentlich, beim Liebeskummer? Wieso tut das so verdammt weh? Wie lange dauert es, bis dieser schreckliche Trennungsschmerz überwunden ist? Wie kann ich den Liebeskummer überleben? Oder dafür sorgen, dass meine liebeskummerkranke Freundin oder mein so schrecklich leidender Sohn endlich mal wieder irgendwo Licht am Horizont sieht?
Liebeskummer: Eine Welt bricht zusammen
Liebeskummer fühlt sich schrecklich an. Wenn du mich fragst, dann ist Liebeskummer eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. Um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir erstmal auf das schönste Gefühl überhaupt schauen: die Liebe.

Wenn wir verliebt sind, dann ist die Welt rosarot. Wir sind glücklich. Wir fühlen uns stark. Und wir fühlen uns geborgen. Da ist jemand, mit dem ich mein Leben teilen kann. Mit dem ich tolle Dinge erlebe. Mit dem ich einschlafe und aufwache. Mit dem ich lache und weine. Dem ich alles anvertrauen kann. Miteinander sind wir in einem Kokon, in den kein anderer reinkommt. Es gibt uns und es gibt die anderen. Wir sind ein Paar und stärker als zwei Einzelne.

Oftmals lieben wir uns auch selbst mehr. Es fällt uns leichter, uns auch mit unseren Fehlern anzunehmen. Schließlich ist da jemand, der uns liebt und begehrt. Dann können wir so schlecht nicht sein. Wir schöpfen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aus der Liebe unseres Partners. In der Folge trauen wir uns auch mehr zu. Wir haben Erfolge. Und das treibt das Selbstvertrauen wie eine Spirale immer höher. Wir haben Kraft und fühlen uns stark.
Alles das entsteht und wächst mit der Liebe.

Aber wenn die Liebe stirbt, dann ist auch plötzlich all das Gute, das sie hat wachsen lassen, nicht mehr da.

Die Welt ist nicht mehr rosarot, sondern grau. Wir fühlen uns schwach und hilflos. Und einsam. Alle Geborgenheit, alle Sicherheit ist verloren, denn das Team – unsere gemeinsame Identität – gibt es nicht mehr.

Und plötzlich kommen auch Selbstzweifel. Schließlich liebt er mich nicht mehr. Bestimmt, weil ich so dick geworden bin. Weil ich zu alt bin. Ich bin ihm zu langweilig. Ich bin einfach nicht gut genug.

Und weil wir nicht mehr schlafen können, nichts mehr essen können und nicht mehr aufhören können, zu heulen, sehen wir irgendwann auch tatsächlich scheiße aus. Und wir kriegen auch nichts mehr hin und machen ständig Fehler, weil wir uns nicht konzentrieren können. Das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein ist am Boden.

Zudem ist eine Trennung meistens weitaus mehr als nur ein Abschied vom Partner. Es ist oftmals auch eine Trennung vom gemeinsamen Freundeskreis, von der zweiten Familie, ein Abschied vom gemeinsamen Zuhause, in dem man lange Zeit gemeinsam gelebt hat, und auch ein Abschied von der Zukunft, die man sich gemeinsam ausgemalt hat.

Gerade nach langjährigen Beziehungen verlieren wir nach einer Trennung aber auch ein Stück weit unser Selbstkonzept, d. h. das Wissen und die Wahrnehmung unserer eigenen Person. So haben es Erica Slotter, Wendi Gardner und Eli Finkel von der Northwestern University in Evanston in ihrer Studie „Who am I without you“ 2010 beschrieben. Demnach koppeln wir unsere eigene Identität gerade in langjährigen Beziehungen eng an die Identität des Partners, wir verschmelzen sozusagen. Deshalb gerät unser Selbstbild durch die Trennung auch plötzlich durcheinander und wir fühlen uns verloren, orientierungslos und leer. Wir fragen uns: Wer bin ich eigentlich ohne dich?! Was macht MICH aus? Was ist es, was ICH brauche? Diese fehlende Klarheit über sich selbst ist eine zusätzliche schmerzhafte Erfahrung und sehr belastend. Denn wenn wir nicht wissen, wer wir selbst sind, dann fällt es uns auch schwer, ein Leben aufzubauen, das unserer Persönlichkeit, unseren Werten und Bedürfnissen entspricht.

Was körperlich passiert, wenn wir Liebeskummer haben
Die Schmerzen, die der Liebeskummer mit sich bringt, hat Ethan Kross, Professor an der University of Michigan, sogar wissenschaftlich bewiesen. Die Versuchsleiter haben dazu den Probanden zuerst Fotos ihrer Ex-Partner gezeigt und die Gehirnströme dabei gemessen. Anschließend haben sie ihnen körperliche Schmerzen (durch Hitzereize) zugefügt und auch da wieder die Hirnströme gemessen. Und siehe da: Es waren jeweils die gleichen Gehirnregionen aktiv – egal, ob es sich um körperlichen Schmerz handelte oder um die schmerzhaften Erinnerungen an den geliebten Ex-Partner. Liebeskummer, das sind also ganz reale Schmerzen.

Und auch hormonell lässt sich erklären, warum es uns so vollkommen aus der Bahn wirft, wenn wir verlassen werden. Es ist nämlich auch wissenschaftlich bewiesen, dass wir körperlich genauso reagieren wie Drogensüchtige, denen ihre Droge vorenthalten wird.

Das zeigen auch Untersuchungen von Lucy Brown, Professorin für Neurologie und Neurobiologie am Albert Einstein College of Medicine in New York, und Helen Fisher, Professorin an der Rutgers Universität in New Jersey. Auch sie haben Probanden, die vor kurzem eine Trennung durchgemacht haben, Fotos ihrer Ex-Partner gezeigt und ihre Gehirnaktivität aufgezeichnet. Neben dem Schmerzzentrum wurde auch das dopaminerge Belohnungssystem aktiviert – ein Gehirnbereich, der auch beim Kokain-Konsum aktiv ist und eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Sucht spielt. „Unglücklich Verliebte spüren also nicht nur körperliche Schmerzen. Sie lieben die andere Person auch umso mehr“, schließt Helen Fisher daraus. Das kann auch erklären, wieso man nach einer Trennung das Gefühl hat, ohne den anderen nicht leben zu können. Auch, wenn man sich vor ein paar Wochen womöglich noch oft geärgert hat und den anderen ganz weit weggewünscht hat.

Gleichzeitig wird bei akutem Liebeskummer auch die Produktion von Glückshormonen wie Dopamin und Serotonin heruntergefahren und stattdessen werden vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol gebildet. In der Folge fühlen wir uns niedergeschlagen und depressiv, gereizt und aggressiv, haben regelrechte Entzugserscheinungen, wie ein Drogensüchtiger, dem die Droge vorenthalten wird.

In sehr seltenen Fällen kann Liebeskummer sogar zum „Broken-Heart-Syndrom“ (auch „Stress-Kardiomyopathie“) führen. Das ist eine Herzerkrankung, bei der es zu einer Funktionsstörung des Herzmuskels kommt und die durch starke emotionale Belastungen entstehen kann. Die Symptome sind dabei ähnlich wie bei einem Herzinfarkt – plötzliche, starke Schmerzen in der Brust und Atemnot. Die Prognose ist aber deutlich besser und das Broken-Heart-Syndrom ist durchaus innerhalb weniger Wochen heilbar und endet nur sehr selten tödlich.

Dennoch zeigt sich auch daran, wie belastend Liebeskummer für Körper und Seele ist und dass Trennungsschmerz keine Lappalie ist.

Die 4 Phasen beim Liebeskummer
So unterschiedlich lange und intensiv wir auch leiden: Der Liebeskummer verläuft immer ungefähr gleich. Ähnlich wie bei der Trauer um einen Verstorbenen werden auch beim Liebeskummer verschiedene Trennungsphasen unterschieden.

Die Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens,
die Phase der aufbrechenden Gefühle,
die Phase der Neuorientierung und
die Phase des neuen Lebenskonzeptes.

Das Wissen um diese Phasen hilft, dass du dich selbst und deinen Kummer besser verstehen kannst. Auf diese Weise siehst du auch: Deine Gefühle und auch dein Verhalten sind ganz normal und du bist keineswegs verrückt geworden oder irgendwie abgedreht.

Wichtig ist aber auch zu wissen, dass du die Phasen nicht einfach „abarbeiten“ kannst. „Phase 1: check! Phase 2: check!“ – Ganz so einfach funktioniert das leider nicht. Denn es gibt immer auch mal Rückschläge und plötzlich merkst du, dass du doch noch nicht so sehr über deinen Ex hinweg bist, wie du eigentlich gedacht hast. Und zack, befindest du dich wieder in der Phase der aufbrechenden Gefühle, statt dich auf etwas Neues einlassen zu können. Die Trennungsphasen können sich also durchaus auch wiederholen – das ist ganz normal. Dieser ganze Prozess der Trennungsverarbeitung kann Wochen dauern, er kann sich aber auch Jahre hinziehen.
Schauen wir uns die Phasen doch mal genauer an.

1. Phase: Nicht-wahrhaben-Wollen
Diese erste Phase ist geprägt von Verzweiflung, von Hoffnung, von Selbstzweifeln und Angst.

Denn scheinbar plötzlich ist die Trennung ausgesprochen. Es ist Schluss und du möchtest es – wie der Name dieser Phase schon andeutet – einfach nicht wahrhaben. Viele möchten die Trennung noch für sich behalten und auch niemanden aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis einweihen. Eine Trennung – das kann nicht sein und das darf nicht sein.

In dieser ersten Phase des Liebeskummers können wir die Trennung noch gar nicht richtig begreifen und sind auch nicht unbedingt bereit, sie zu akzeptieren.

Wie ich weiter oben schon beschrieben habe, passiert in unserem Körper nach einer Trennung das Gleiche wie bei einem Drogenentzug. So sind auch die Entzugserscheinungen bei Beginn sehr ähnlich: Wir haben ein extrem starkes Verlangen, unsere Gedanken kreisen nur noch um das Objekt unserer Begierde, wir sind innerlich unruhig und erschöpft und niedergeschlagen.

Deshalb versuchen viele Menschen in dieser Phase, noch einmal um die Beziehung zu kämpfen, und wollen den Ex-Partner dazu bringen, zurückzukommen. Sie schreiben SMS, versuchen gezielt, dem Ex „zufällig über den Weg zu laufen“. Sie geloben Besserung und bitten um eine zweite Chance. Im Zuge dieser „Verhandlungen“ entsteht dann gerne auch mal die Idee nach einer Trennung auf Probe oder einer Auszeit.

2. Phase: aufbrechende Gefühle
In dieser zweiten Phase unseres Liebeskummers ist die Trennung wirklich bei uns angekommen. Wir haben verstanden: Es ist aus und vorbei und wir sind wieder alleine.

Hier rollt die Welle des Trennungsschmerzes über uns hinweg. Immer und immer wieder.

Genau wie bei Depressionen hast du in dieser schrecklich belastenden Lebensphase ein sehr niedriges Level an Dopamin (das sogenannte Glückshormon).

Und entsprechend geht es dir richtig, richtig schlecht. Vielleicht kannst du nichts essen, nicht schlafen, dich nicht konzentrieren. Du fühlst dich antriebslos und müde und bist einfach mittendrin in deiner Trauer um ihn oder sie.

Aber nicht nur Antriebslosigkeit und Traurigkeit spielen in dieser Phase eine Rolle. Vorherrschend sind auch Wut, Angst, Orientierungslosigkeit, Selbstzweifel oder Schuldzuweisungen, dir selbst oder deinem Ex-Partner gegenüber.

Das einzig Gute an dieser Phase ist, dass es quasi nur noch bergauf gehen kann. Denn hier bist du schon am Tiefpunkt angelangt.